Medienbildung im Kindergarten, Carolin Kramer
Quelle: Carolin Kramer
31.05.

Hintergründe

Medienbildung im Kindergarten – Teil II: Medienzugang und Mediennutzung

Im zweiten Teil der Artikelserie geht es um die Beantwortung von Fragen wie z.B. welche Medien nutzen (Klein-)Kinder tatsächlich, wie oft tun sie dies und welchen Zugang haben sie überhaupt zu Medien? Grundlegend dafür sind Erkenntnisse aus der Medien und Kleinkinder-Studie (MiniKiM) des mpfs sowie eigene Beobachtungen im pädagogischen Umfeld.

 

Laut MiniKiM Studie 2014, einer Basisuntersuchung zum Medienumgang 2- bis 5-Jähriger, nehmen digitale Medien im Alltag von (Klein-)Kindern mit zunehmenden Alter einen immer größer werdenden Stellenwert ein. Zuerst genannt werden dabei Fernsehen und (Bilder-)Bücher.

 

Fast die Hälfte der Kinder (44 %) sieht jeden oder fast jeden Tag fern, 43 Prozent beschäftigen sich (fast) täglich mit einem Buch. Im Altersverlauf zeigt sich eine deutliche Verschiebung der Präferenzen: Während für die Mehrheit der Zwei- bis Dreijährigen Bücher unverzichtbar sind, ist für die Vier- und Fünfjährigen das Fernsehen das wichtigste Medium. Dies macht sich auch in der Nutzungsdauer bemerkbar: Kinder im Alter von zwei bis drei Jahren sehen durchschnittlich 34 Minuten am Tag fern, die Vier- bis Fünfjährigen kommen bereits auf 52 Minuten pro Tag. Unabhängig davon bleibt die Zeit, in der sich die Kinder mit Büchern beschäftigen, aber in beiden Altersgruppen konstant (26 Minuten pro Tag). Nach Einschätzung der Eltern ist vor allem das Buch ein wichtiges Medium, das die Fantasie von Kindern fördert. Zudem meinen sie, dass Kinder durch Bücher lernen und diese ein wichtiger Faktor für den späteren Schulerfolg sind.

 

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Natürlich kommt es vor, dass Kinder in einem (Bilder)-Buch oder im Fernsehen etwas sehen, was sie überfordert oder gar Angst macht. Im Kindergarten und vor allem zu Hause sollen Kinder die Möglichkeit haben, wann immer es für sie wichtig ist, von ihren Medienerlebnissen zu berichten bzw.   sie im Spiel zu verarbeiten. Die spielerische Verarbeitung erfolgt dabei häufig in Form von Nachstellen der Verhaltensweisen ihrer Medienprotagonisten (s. g. Kampfszenen). Kinder brauchen diese Art von Spiel, um mit Erlebtem bzw. Gesehenem zu Recht zu kommen. Sie sollen jederzeit (und wann immer sie es selbst wollen) üben dürfen, Freude und Ängste zu artikulieren. Wünschenswert ist es jedoch auch, sie ganz bewusst darin zu ermutigen und sie damit beim Ausdrücken ihrer Gefühle zu unterstützen und sie darin zu stärken. Voraussetzung dafür ist selbstverständlich, dass ihre Erzieher und Eltern die Medienprodukte, die Kinder „konsumieren“, kennen. Denn erst dann kann eine sinnvolle Auseinandersetzung über Inhalte und Bedeutung der Medien im Alltag der Kinder erfolgen.

 

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Im Rahmen der MiniKiM Studie sehen viele Eltern das Internet eher kritisch: So denkt gut die Hälfte der Eltern, dass das Internet einen Einfluss auf die Gewaltbereitschaft habe, dass ihre Kinder mit ungeeigneten Inhalten in Kontakt kommen und außerdem durch das Internet zu „Stubenhockern“ werden. Filmmedien wie Fernsehen, Videos und DVDs bergen nach Ansicht der Eltern ähnliche Gefahren, seien aber dennoch für die Kinder wichtig, um im Freundeskreis mitreden zu können. Computer und Internet spielen im Alltag der Zwei- bis Fünfjährigen eine sehr untergeordnete Rolle, lediglich 15 Prozent der Kinder haben schon erste Erfahrungen mit dem PC gesammelt. Das Internet nutzen nur sieben Prozent der Jungen und Mädchen, allerdings sind fünf Prozent der Zwei- bis Fünfjährigen schon regelmäßige Nutzer von Online-Diensten. Nur 15 Prozent aller Kinder im Alter von zwei bis fünf Jahren haben schon einmal Tablet-PC genutzt, inhaltlich steht hier das Spielen neben dem Anschauen von Fotos oder Videos im Mittelpunkt. Die Hälfte der Eltern ist zudem der Meinung, Tablet-PCs seien nichts für Kinder.

 

Link zu den Ergebnissen der MiniKiM -Studie 2014 

 

Die Befragung für die MiniKiM-Studie 2016 steht noch aus, sie wird laut mpfs im kommenden Herbst durchgeführt, d.h. neue Zahlen werden im Frühjahr 2017 veröffentlicht. Aufgrund unserer Erfahrung mit Kindern, Eltern und Pädagogen sind wir der Meinung, dass sich vor allem der letzte Punkt der Studie, nämlich die Tablet- bzw. Smartphone-Nutzung von 2- bis 5-Järigen in den letzten zwei Jahren stark verändert hat. Unserer Einschätzung nach ist die Anzahl der Haushalte mit Tablets gestiegen und der Markt der Kinder-Tablets enorm gewachsen.

 

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Die Feinmotorik ist bei (Klein-)Kindern noch nicht voll ausgebildet, Hände und Finger wirken unbeholfen, das Zusammenspiel von Hand und Auge entwickelt sich gerade. Auf Smartphones und Tablets tippen und wischen Kinder (in unseren Augen) ganz selbstverständlich, denn sie erkennen schnell, dass sie mit ihren Fingern „etwas bewirken“. Tablets und Smartphones sind für sie vom Handling her viel einfacher und intuitiver zu bedienen, als herkömmliche Tastatur und Maus.

 

Die gängigsten Kinder-Tablets sind abgespeckte Versionen der beliebten Hersteller, wie beispielsweise das Kindle Fire Kids oder das Samsung Galaxy Tab Kids. Diese sind für Kinder ab 6 Jahren entwickelt. Für jüngere Kinder ab 3 Jahren werden speziell entwickelte Kinder-Modelle wie das Kurio Tab oder iRULU Babypad angeboten.

 

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In ihren ersten Lebensjahren erleben Kinder, durch eine sehr schnelle körperliche und geistige Entwicklung, viele Veränderungen. Regelmäßigkeiten spielen da eine wichtige Rolle. Feste Rituale bieten Verlässlichkeit und Orientierung für Kinder. Das gilt auch für die gemeinsame Nutzung von Medien. Vor allem im Elternhaus aber auch im Kindergarten, in der Schule und später unter den peers wird der Grundstein für das mediale Verhalten gelegt. Kinder lernen schnell und intuitiv. Sie schauen sich das Medienverhalten bei ihren Vorbildern, nämlich bei Eltern, Geschwistern oder Gleichaltrigen ab. Kinder „brauchen“ Medien, um später geschmeidig an gesellschaftlichen Prozessen teilzunehmen zu können. Entscheidend ist ein gutes Handwerkszeug an ihrer Seite: eine kompetente Mediennutzung und der Fähigkeit zur lebenslangen Selbstreflektion. Diese Fähigkeiten entwickeln sich im Laufe der jeweiligen individuellen Entwicklung und sind abhängig vom sozialen Umfeld.

 

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Medienkompetenz ist eine wichtige Begleiterin im Leben. Doch noch nie hat sie eine so bedeutende Rolle gespielt wie im 21. Jahrhundert – in einer Welt, die aus Online- und Offline-Realitäten besteht, zusammengewachsen zu einem riesigen Medienuniversum. Kinder sind sehr früh umgeben von allerhand medialen Einflüssen und können sich ihnen bewusst aber manchmal auch nicht mehr selbst bestimmt entziehen.

 

Daher ist es wichtig, das kindliche Lernen durch sehen, nachahmen, erfahren und begreifen ebenso früh zu nutzen und ihnen das „Handwerkszeug Medienkompetenz“ kindgerecht und altersangepasst zur Seite zu stellen. Noch viel wichtiger ist es, sie dabei – sei es im Elternhaus, im Kindergarten oder in der Schule – zu begleiten und ihnen zu zeigen, wie sie das eigene Leben in der Medialität aktiv mit gestalten können.

 

Im nächsten Artikel der Serie „Medienbildung im Kindergarten“ dreht sich alles um das Thema „Wie kann Medienbildung im Kindergarten ganz konkret aussehen?“.

 

Link zum Artikel: Medienbildung im Kindergarten – Teil 1

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